Zwangsarbeiter-Gräber in Buxtehude
Geschrieben von Regina Aufm Kampe, am 08-12-2009 14:03

Auf zwei Friedhöfen in Buxtehude sind Gräber mit Namen zu finden, die fremd klingen.
Offensichtlich stammten diese Begrabenen aus dem Osten Europas und da sie während des letzen Weltkrieges starben, lag die Vermutung nahe, dass es sich um Kriegsgefangene, um Zwangsarbeiter handelt. Dem wollte ich nachgehen und habe nachfolgendes in Erfahrung gebracht.

Zwangsarbeiter lebten auch in Buxtehude. Sie arbeiteten in der Lederfabrik Bleicherstrasse. Diese Fabrik wurde später abgerissen, nachdem sie schon recht verfallen war. Heute liegt dort ein Wohngebiet.
Die Lederfabrik gehört bis 1922 den Wachenfelds, dann Heppner & Hallenstein, Hamburg, im gleichen Jahr noch Holländer (Namen ??), dann, wenige Jahre später übernahm die Wiemann AG, Hamburg, die holländischen Anteile der Fabrik, zu Beginn der 30er Jahre gehörte die Fabrik dann der Fa. Wiemann ganz. Erster Direktor war ein Franz Pöppelmann.
1943 arbeiteten angeblich 18 Mädchen und junge Männer aus der Ukraine in der Fabrik. Die Mädchen schliefen in der Werkwohnung im Gemeinschaftsraum (wo war die ?), zwei Polen/innen, eine davon Lehrerin schlief im Haus von Lagermeiser Adolf Gibbat, die Männer aus der Ukraine in einem Raum im Betrieb, ferner gab es  Franzosen, von denen einige bei Kriegsende krank waren und nach Stade ins Krankenhaus kamen.
Ein (weiteres ?) Wohngebäude für Zwangsarbeiter lag am Bollweg. Dieses steht noch und ist, nach einigen Umbauten, heute ein Wohnhaus. Es liegt auf der rechten Strassenseite, etwas zurück.
Auch in der Nudelfabrik (heute Aldi am Bahnhof) sowie in der Leimfabrik (heute Gelände der Stadtwerke) sollen Zwangsarbeiter beschäftigt worden sein.
Das Freizeithaus Wikingerplatz wurde 1945 Lazarett und Unterkunft für ehemalige Zwangsarbeiter/-innen aus Russland, Lettland und Polen

Jedenfalls gab es im Kreis Stade auch einige Kinderheime für die Babys der Arbeiterinnen. Die Frauen mussten die Neugeborenen kurz nach der Geburt in diese Heime bringen und da die Mütter arbeiten mussten, konnten sie die Säuglinge nicht mit Muttermilch ernähren, was für diese Kinder den sicheren Tod bedeutete. Diese Heime waren eingerichtet worden, um die Kinder der Zwangsarbeiterinnen zu töten und so wurde von staatlicher Seite wurde kaum Milch zur Verfügung gestellt, die Babys starben an Unterernährung, Entkräftung, Krankheiten. Die meisten waren wenige Wochen nach Einlieferung tot. Oft waren es ebenfalls Zwangsarbeiterinnen, die sich um die Kinder kümmern mussten, ohne ihnen helfen zu können mussten sie zusehen, wie die Säuglinge jämmerlich starben.
Einer der Friedhöfe für diese Kinder liegt in Stade. Auf dem Camper Friedhof wurden 47 Kinder begraben, von denen 10 zwischen September 1943 und Februar 1944 starben.  Nach der Befreiung in den Jahren 1945/46 starben die anderen 37. Ein Gedenkstein erinnert seit 1995 an diese Kinder. 
http://www.krieggegenkinder.de/cgi-bin/search.cgi?v=36926

Auf dem Buxtehuder Friedhof Ferdinandstrasse steht ein Grabstein mit Namen und Daten:
 
VALTERS, Rita
BESDTUGANOV, Fedor
KOBJA, Donka
KRAMERENKE, Egor
SOMINOW, Dimitri
UCHANOW, Michail
1944 – 1945


Diese sechs Toten lagen ursprünglich in Einzelgräbern, wurden aber später zusammengelegt. Zu diesen Menschen hat eine Buxtehuderin (Name ist mir bekannt) durch die Internetseite der Deutschen Kriegsgräberfürsorge genauere Daten ermittelt, die durch meine Recherchen in der Datenbank der Stiftung Sächsische Gedenkstätten ergänzt wurden.


 
VALTERS, Rita
 *6.2.1944 Jaunpilz + 9.4.1945 Buxtehude
Vater vielleicht:
Antons VALTERS, * 4.10.1920 Dagdas + 28.5.1946 Bergedorf

BESDTUGANOV, Fedor
Soldat, *8.9.1909 Dnepropetrowsk + 18.6.1944 Buxtehude
bzw:
BESDUGANOW, Fjodor *1.1.1909 + 18.6.1944, Vatername Efim,
geb. in Staraja Igren, Gebiet Dnepropetrowsk , Nationalität: Ukraine
(http://www.dokst.de/main/node/1117?suchwort=Besd&beginn=Beginn+des+Namens)

KOBJA, Donka
+ 7.5.1945 Buxtehude

KRAMERENKE, Egor
Unteroffizier, * 7.4.1915 Kirowograd + 18.6.1944 Buxtehude
bzw.
KRAMERENKO, Jegor, Vatername Alexandr. 4.7.1915 + 18.6.1944
geb. Kirowograd, Nationalität: Ukraine
(http://www.dokst.de/main/node/1117?suchwort=Kram&beginn=Beginn+des+Namens)

SOMINOW, Dimitri
* 5.10.1920 + 7.12.1944 Buxtehude 

UCHANOW, Michail
 Soldat * 14.8.1918 Worloda + 18.6.1944 Buxtehude
1944 - 1945
 
Auf dem Friedhof an der Stader Strasse befindet sich der Grabstein für


OSMANN, Mesnel 
Erk. Nr. X6 100 921  + 21.05.1941

TUROWICZKA , Anna
* 20.06.1924 in Litzmannstadt, Polen  + 26.10.1942 Buxtehude
 
PARFINUIK, Eustachy
*16.06.1890 Polucheno, Russland + 03.06.1943
lt. Gräbersuche online:
PARFINIUK; Eostaychii
*16.6.1890 +3.6.1943
 
außerdem wurde dort begraben:
die Baltin
KONDRATJEW, Maria
*9.2.1911 Riga
+ 2.9.1945
(kein Grabstein)

sowie ein unbekannter Russe und drei gänzlich unbekannte (Russen ?)

Quelle hierzu ist das Beerdgiungsbuch des Friedhofsgärtners.

Auch auf dem Friedhof Mühlenweg wurden Ausländer begraben, über deren Status kann ich nichts sagen, die Daten stammen auch aus dem Beerdigungsbuch.

KORVING, Gisela
* 21.5.1944 Groningen, NL
+ 7.10.1944 Buxtehude

WOLTERS, Claus
* 27.6.1944 Groningen, NL
+ 1.1.1945 Buxtehude

- beide Kinder bekommen am 15.8.1977 je einen Grabstein -

sowie

DOMGRADZKI, Ludwig
24.7.1900 Polen
15.8.1945 Buxtehude
(Pole)

(Einige der Daten konnte ich durch die Internetseite der Deuschten Kriegsgräberfürsorge ergänzen)
Ergänzungen und Korrekturen zu diesen Daten sind natürlich willkommen.

 

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