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Suter und Medici PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von Regina Aufm Kampe, am 19-01-2012 15:47

Vor einiger Zeit hatte ich hier schon einmal über die Familie Suter-Medici berichtet, deren Herkunft unbekannt war, weder wusste ich, woher der pfälzische Oberkriegskommissar und Hofrat in Düsseldorf, (Johann) Daniel SUTER stammt, noch kannte ich nähere Einzelheiten über seine Schwiegertochter Anna Maria Magdalena Luisa Medici.

Mittlerweile habe ich einiges neues in Erfahrung bringen können.

Zunächst fand ich folgende Trauung:

'Am 13.1.1704 habe ich in der Hofkapelle in Düsseldorf getraut den Herrn Philipp Wilhelm Suter, Hofrat, und Frau Anna Maria Magd. Luise [ohne Nachnamen!], Kammerzofe der allergnädigsten Kurfürstin, in Beisein der Zeugen Herrn Joh. von Berres, Dekan in Worms an St. Paul, Herrn Hermann Gottfried Fabritius und Herrn Joh. Marquard von Reichenbach.'

(Beiträge zur Geschichte des Niederrheins, Band 11, Seite 218 - dort auf Latein)

 

Bisher hatte ich vermutet, dass die bereits 1691 als Kammerfrau genannte Anna Maria Magdalena Medici meine Ahnin wäre. Diese heiratete angeblich den Hofrat Suter. Sie sollte eine getaufte Türkin sein und ich vermutete, dass sie bereits in Florenz getauft wurde und mit der Kurfürstin zusammen nach Düsseldorf gekommen ist. Ich vermutete ferner, sie sei eine Beutetürkin gewesen.

Als 'Beutetürken' werden Gefangene (meist Kinder) der Türkenkriege bezeichnet, die man aus den eroberten Gebieten nach Deutschland oder Österreich verschleppt hatte. Nach Umerziehung und Belehrung wurde diese dann christlich getauft. Viele heirateten später unter ihrem neuen, christlichen Namen und nach einer Generation war ihre türkische Herkunft nahezu vergessen. Mehr hierzu findet man z. B.  hier: http://de.wikipedia.org/wiki/Beutetürken

Durch Zufall stiess ich dann auf ein Buch, welches sich mit einer Türkin befasst, die in Düsseldorf bei den Ursulinen Karriere gemacht hatte. In diesem Buch wurden weitere junge türkische Frauen namens Medici erwähnt.

Zum einen die aus Florenz mitgekommene Türkin, die 1691 Kammerfrau bei der Kurfürstin gewesen ist. Sie wurde noch in Florenz getauft, Patin war die spätere Kurfürstin.

Diese Frau trat im Dezember 1691 als Anna Maria Magdalena Medici in die Rosenkranz-Bruderschaft ein. Ihre Existenz gründet sich nur auf diesen Beitritt, der ohne Berufsangaben geschieht.

Die Kurfürstin selber tritt 1693 ein.

 

Die andere Türkin  wird am 10. August 1691 auf den Namen Anna Maria Magdalena getauft, Patin wiederum die Kurfürstin.

 

Taufregister St. Lambertus:

Anno 1691 die 10a Aug. ist auf hiesigem schloß eine Turckin von Ihro Churfrl Dhlt Herrn BeichtVatter, A. R. Patre Splinter (ex indulto ordinarii uti allegatum) getaufft worden Nomen ei Impositum Anna Maria Magdalena Patrina Ihre Churfrl Dhlt die Churfürstinn [ex indulto ordinarii uti allegatum = Mit Erlaubnis des Ordinarius (des Ortspfarrers), wie beigefügt.]

 

 

Dieses getaufte Kind soll vorher den Namen Atwa getragen haben. Von der Kurfürstin erhielt es zur Taufe und auch danach diverse (Geld-)Zuwendungen. Atwa trat am 1696 in die Rosenkranz-Bruderschaft ein (Jungfrau Anna Maria Magdalena Louisa Medici, Cammerdienerin bei Ihro Dhlt. Ehegemahlin, ex. Turca facta Catholica). Sie wurde zusammen mit Anna Maria von Quadt im Katharinenkloster Gerresheim erzogen, hierfür wurde nachweislich 1700 und 1701 von der Fürstin gezahlt. Ab Feb. 1701 wurde Atwa dann bei den Ursulinen in Düsseldorf erzogen, Anna Maria von Quadt trat 1702 bei den Karmelitessen ein. 1703/04 war Atwa dann (wohl wieder, oder ist das eine Art ‚Titel‘ und keine Berufsbezeichnung ?) Kammerdienerin bei der Fürsin und erhielt am 10.1.1704 Gehalt.

Am gleichen Tag wird ein Antrag auf Dispens gestellt, und wenige Tage danach heiratet sie den Hofrat Suter.

 

Als Philip Wilhelm Suter 1704 heiratete, war er 23 Jahre alt  (*1683). Ich vermute, dass auch seine Frau in diesem Alter gewesen ist.

Die erstgenannte 1691 bereits Kammerfrau gewesene scheint mir zu alt zu sein. Setzt man für sie ein 1691 ein Alter von 15 Jahren ein, läge ihre Geburt 1676. Ich vermute aber, sie ist eher noch früher geboren.

Die Atwa hingegen war noch ein Kind, als sie getauft wurde. Damit könnte sie entweder 1683 als Kleinkind aus Wien oder etwas später aus Neuhäusel, Budapest, Mohacs oder spätestens 1688 aus Belgrad gekommen sein. Ihre Geburt wäre dann frühestens um 1680 anzusetzen, eher etwas später. Aus Belgrad stammten viele der in Düsseldorf getauften sogenannten Türken.

Für Atwa als Ahnin spricht auch die Beziehung zu den Ursulinen. Eine der Töchter des Paares Suter/Medici, Anna Euphrosina, * 1710 tritt 1730 ins Ursulinenkloster ein und auch die Hochzeit von Philips Bruder Caspar Theodor 1713 wird ‚bei den Ursulinen‘ gefeiert.

 

(Johann) Daniel Suters Herkunft ist immer noch unbekannt. Er siegelt 1704 unter seinem Ehevertrag mit seiner zweiten Frau. Leider ist dieses Siegel schlecht zu erkennen, ich meine aber, es gibt Ähnlichkeiten zum Wappen der angeblich aus der Pfalz stammenden, evangelischen Familie von Suter. Ältester von mir gefundener Ahn ist ein Bogislaw (Johann) Ernst Wilhelm Suter, * 1691. Er könnte vielleicht ein Neffe von Daniel Suter sein ?

Das Wappen der von Suters wird wie folgt beschrieben: ‚In Gold eine hinter einem roten Palisadenzaun hervorspringende halbe aschfarbene Gemse mit silbernen Hörnern. Auf dem gekrönten Helme mit beiderseits gold-schwarz-roten Decken die Gemse.‘

Eine solche Gemse findet sich auch auf dem Siegelabdruck, relativ deutlich auf dem Helm (?). Im Bild selbst kann man jedenfalls auch einen Zaun erkennen mit einem dahinter stehenden Tier (?).

Über jeden Hinweis zu all diesem freue ich mich sehr.

 

Das oben genannte Buch ist: Abigail Steineckin - M. Anna Maria Louisa Weißenburg: Türkin, Ordensfrau, Künstlerin, Band 36 von Libelli Rhenani, Ruth Krumme, Hans U. Krumme Verlag, Erzbischöfliche Diözesan- und Dombibliothek, 2010 

Veröffentlicht in : Die Themen, Ahnenforschung

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